Aufnahme und Behandlung auf der Stroke Unit

Craniale Computertomografie

Wenn möglich, wird jeder Patient genau befragt, welche Vorerkrankungen bestehen und wie es zum Schlaganfall gekommen ist. Dann folgen ausführliche neurologische und internistische Untersuchungen. Wir führen notfallmäßig eine craniale Computertomografie (cCT) , also ein Schädel-CT, durch, um zwischen einem Hirninfarkt und einer Hirnblutung zu unterscheiden, da wir diese unterschiedlich behandeln.

Liegt ein Hirninfarkt vor, klären wir sofort, ob wir das verstopfte Gefäß mit einer spezifischen Infusion (Thrombolyse) wieder öffnen können. Können wir die Lysetherapie anwenden, erhält der Patient zunächst ein Medikament, das Gefäßverschlüsse auflöst, die durch Blutgerinnsel verursacht wurden. Die Thrombolyse ist jedoch nur in den ersten viereinhalb Stunden, nachdem die Symptome begonnen haben, sinnvoll. Je früher sie durchgeführt wird, desto größer sind die Heilungschancen. Deshalb zählt jede Minute.

Katheterlabor

Für einen kleinen Anteil von Schlaganfallpatienten mit einem akuten großen cerebralen Gefäßverschluss kommt neben der medikamentösen Thrombolyse auch die mechanische Thrombektomie als rekanalisierende Therapie in Frage. Kathetertechnisch wird hierbei versucht, das Gerinsel unter Einsatz eines sog. Stent-Retrievers zu entfernen und die Durchblutung wieder herzustellen. Diese Behandlungsmethode wird im Haus durch den Chefarzt der Radiologie, Herrn Kai Roeber, bzw. im Rahmen des Schlaganfallnetzwerkes West im Klinikum Aachen durchgeführt.

Überwachungsmonitor

Auf der Schlaganfallstation schließen wir jeden Patienten an einen Monitor an, sodass wir die wichtigsten Werte der Patienten, wie Blutdruck, Puls, Sauerstoffsättigung im Blut, Blutzucker und Körpertemperatur, messen und fortlaufend kontrollieren können. Außerdem registrieren wir fortlaufend das EKG.

Unsere Kardiologen untersuchen zudem das Herz, entweder mit Ultraschall von außen (transthorakale Echokardiografie), oder, wie in vielen Fällen notwendig, von der Speiseröhre aus, um kleine Blutgerinnsel und Klappenveränderungen genau erkennen zu können. Bei dieser sogenannten transösophagealen Echokardiografie (Schluck-Echokardiografie) schluckt der Patient einen Schlauch, ähnlich wie bei einer Magenspiegelung.

Wir untersuchen, ebenfalls mittels Ultraschall, die Gefäße des Halses und des Gehirns auf Verengungen oder Verschlüsse. Des Weiteren untersuchen wir die Patienten auf der Stroke Unit nach einem standardisierten Schema alle 6 bis 8 Stunden neurologisch. Feinere Veränderungen im Status, besonders bei Verschlechterungen, können wir dadurch früh registrieren und Gegenmaßnahmen treffen.

Um das Hirngewebe, das unterdurchblutet ist, zu erhalten, achten wir in den ersten zwei bis drei Tagen außerdem auf einen ausreichend hohen Blutdruck, eine genügende Sauerstoffzufuhr, einen normalen Blutzucker und eine normale Körpertemperatur. Auf mögliche frühe Komplikationen, wie z.B. eine Lungenentzündung durch Verschlucken, achten wir zudem, um frühzeitig Gegenmaßnahmen einleiten zu können.

MRT

In den folgenden Tagen untersuchen wir eventuell den Kopf des Patienten mit Hilfe der Kernspintomografie (MRT) oder wir stellen die Gefäße kontrastmittelunterstützt im MRT oder CT dar. Auch weitere kardiologische Untersuchungen, z.B. ein Langzeit-EKG, können notwendig sein, um über die langfristige Therapie entscheiden zu können. Ziel ist, wenn möglich weitere Schlaganfälle zu verhindern.

Während der Akutbehandlung ist es zudem wichtig, die beeinflussbaren Risikofaktoren zu behandeln, wie Blutdruck und Blutzucker einzustellen.
Ein zusätzlicher Aspekt in der Behandlung ist die Sekundärprävention, da nach einem Schlaganfall das Risiko besteht, einen zweiten zu bekommen, und nachfolgende Schlaganfälle verhindert werden sollen. Ein gefährlicher
Auslöser für einen solchen zweiten Schlaganfall ist das vorübergehende Vorhofflimmern, dessen Nachweis deshalb gerade auf der Stroke Unit wesentlich ist. Kommt es während der EKG-Aufzeichung jedoch zu keiner Flimmerepisode, lässt sich diese Herzrhythmusstörung zunächst nicht nachweisen. Hier
wenden wir im St. Augustinus Krankenhaus das Screening-Verfahren SRAclinic an, welches das vorübergehende Vorhofflimmern auch feststellen kann, wenn es vor dem Schreiben des EKGs stattgefunden hat. Mit dem Verfahren ermittelten wir bereits für eine Vielzahl von Schlaganfällen mit zunächst ungeklärter Ursache Vorhoffflimmern als Grund.

Im St. Augustinus Krankenhaus ist jeder Bettplatz auf der Stroke Unit mit der zur
Messung notwendigen Software ausgestattet. Die permanent ermittelten EKG-Daten werden via Internet an einen zentralen SRAclinic-Server übertragen. Daraus wird ein SRAclinic-Analysereport erstellt und mittels E-Mail an die Klinik zurückgeschickt. Zudem ermöglicht ein Link zum SRAclinic-Analysetool, die einzelnen EKG-Kennlinien zu betrachten. Für das betreuende Personal bedeutet die zusätzliche Auswertung keine Mehrarbeit und wir können die Therapie aufgrund der Ergebnisse anpassen. Insbesondere kardiologische Kapazitäten können effizienter genutzt werden.

Die Sekundärprophylaxe beinhaltet zudem die Gabe von Medikamenten, die verhindern sollen, dass Blutplättchen verklumpen und zu neuen Gefäßverschlüssen führen. Auch bei Vorhofflimmern stehen blutverdünnende
Medikamente zur Verfügung.

Ist eine Halsschlagader hochgradig eingeengt, kann unter Umständen eine Operation dieser Einengung oder eine Aufdehnung durch einen Katheter mit Stent-Anlage nötig und sinnvoll sein. Eine Stent-Anlage wird in unserer Klinik durch die radiologische Abteilung durchgeführt, eine Halsschlagader-OP in der Gefäßchirurgie des St.-Antonius-Hospitals in Eschweiler.

Sie als Patient und Ihre Angehörigen bekommen während der Behandlung auf der Stroke Unit zudem eine umfangreiche Aufklärung über den Schlaganfall von der Vorsorge bis zur Nachsorge. Weitere Informationen erhalten Sie zudem von den Ärzten und dem Pflegepersonal der Stroke Unit.