Aufnahme und Behandlung auf der Stroke Unit

Wenn möglich, wird jeder Patient genau befragt, welche Vorerkrankungen bestehen und wie es zum Schlaganfall gekommen ist. Dann folgen ausführliche neurologische und internistische Untersuchungen. Wir führen notfallmäßig eine craniale Computertomografie (cCT) , also ein Schädel-CT, durch, um zwischen einem Hirninfarkt und einer Hirnblutung zu unterscheiden, da wir diese unterschiedlich behandeln. Liegt ein Hirninfarkt vor, klären wir sofort, ob wir das verstopfte Gefäß mit einer spezifischen Infusion (Thrombolyse) wieder öffnen können. Sie ist jedoch nur in den ersten viereinhalb Stunden, nachdem die Symptome begonnen haben, sinnvoll. Je früher sie durchgeführt wird, desto größer sind die Heilungschancen. Deshalb zählt jede Minute.

Auf der Schlaganfallstation schließen wir jeden Patienten an einen Monitor an, sodass wir die wichtigsten Werte der Patienten, wie Blutdruck, Salzgehalt des Blutes, Blutzucker und Körpertemperatur, messen und fortlaufend kontrollieren können. Außerdem registrieren wir fortlaufend das EKG. Unsere Kardiologen untersuchen zudem das Herz, entweder mit Ultraschall von außen (transthorakale Echokardiografie), oder, wie in vielen Fällen notwendig, von der Speiseröhre aus, um kleine Blutgerinnsel und Klappenveränderungen genau erkennen zu können. Wir untersuchen, ebenfalls mittels Ultraschall, die Gefäße des Halses und des Gehirns auf Verengungen oder Verschlüsse.

Des Weiteren untersuchen wir die Patienten auf der Stroke Unit nach einem standardisierten Schema alle 6 bis 8 Stunden neurologisch. Feinere Veränderungen im Status, besonders bei Verschlechterungen, können wir dadurch früh registrieren und Gegenmaßnahmen treffen.

In den folgenden Tagen untersuchen wir eventuell den Kopf des Patienten mit Hilfe der Kernspintomografie (MRT) oder wir stellen die Gefäße kontrastmittelunterstützt im MRT oder CT dar. Auch weitere kardiologische Untersuchungen, z.B. ein Langzeit-EKG, können notwendig sein, um über die langfristige Therapie entscheiden zu können. Ziel ist, wenn möglich weitere Schlaganfälle zu verhindern.

Ein zusätzlicher Aspekt in der Behandlung ist die Sekundärprävention, da nach einem Schlaganfall das Risiko besteht, einen zweiten zu bekommen, und nachfolgende Schlaganfälle verhindert werden sollen. Ein gefährlicher Auslöser für einen solchen zweiten Schlaganfall ist das vorübergehende Vorhofflimmern, dessen Nachweis deshalb gerade auf der Stroke Unit wesentlich ist. Kommt es während der EKG-Aufzeichnung jedoch zu keiner Flimmerepisode, lässt sich diese Herzrhythmusstörung zunächst nicht nachweisen. Hier wenden wir im St. Augustinus Krankenhaus das Screening-Verfahren SRAclinic an, welches das vorübergehende Vorhofflimmern auch feststellen kann, wenn es vor dem
Schreiben des EKGs stattgefunden hat. Die Sekundärprophylaxe beinhaltet zudem die Gabe von Medikamenten, die verhindern sollen, dass Blutplättchen verklumpen und zu neuen Gefäßverschlüssen führen. Auch bei Vorhofflimmern stehen blutverdünnende Medikamente zur Verfügung.

Ist eine Halsschlagader hochgradig eingeengt, kann unter Umständen eine Operation dieser Einengung oder eine Aufdehnung durch einen Katheter mit Stent-Anlage nötig und sinnvoll sein. Eine Stent-Anlage wird in unserer Klinik durch die radiologische Abteilung durchgeführt, eine Halsschlagader-OP in der Gefäßchirurgie des St.-Antonius-Hospitals in Eschweiler.

Was passiert nach dem Verlassen der Schlaganfallstation?

Nach ein bis drei Tagen, in denen wir den Schlaganfallpatienten auf der Stroke Unit überwachen, verlegen wir ihn auf eine Allgemeinstation. Eventuell noch fehlende Diagnostik führen wir durch und die Therapien weiter.

Nach Abschluss der stationären Behandlung entlassen wir den Patienten, je nach Schweregrad der verbleibenden neurologischen Beeinträchtigungen, entweder in eine Rehabilitationsklinik oder mit oder ohne ambulante Rehamaßnahme nach Hause. Manchmal ist es notwendig, den Patienten mit Unterstützung durch einen
Pflegedienst nach Hause oder in ein Pflegeheim zu verlegen. Mit der Entlassung
erhält er einen ausführlichen Bericht für den weiterbehandelnden Arzt einschließlich einer Empfehlung für die weitere Behandlung.

Auch wenn Sie sich nach einem Schlaganfall ein „normales Leben“ nicht vorstellen können – verlieren Sie nicht den Mut! Viele Einschränkungen können sich durch eine gute medizinisch-therapeutische Behandlung und Ihre Mitarbeit verbessern.

ABER: Setzen Sie sich nicht unter Druck! Beim Schlaganfall müssen Patienten wie auch Angehörige viel Geduld haben und sich mit der Krankheit auseinandersetzen.