Neue Aspekte der Fußchirurgie

Reihenuntersuchungen im Schulalter zeigen bei ca. 12% der Kinder bereits Fußschäden jeglicher Art. Im Erwachsenenalter leiden dann bis zu 90% der Bevölkerung unter teilweise starken Fußschmerzen, hervorgerufen durch falsches Schuhwerk und falsche Pflege. Erfolgreich lindern oder heilen lassen sich die meisten Fußbeschwerden durch konservative Maßnahmen wie Krankengymnastik, Stoßwellentherapie, Einlagen, Schuhzurichtungen und andere orthopädietechnischen Möglichkeiten. Erfolgreich vorbeugen können Sie außerdem durch eine gute Anleitung bei der Fußpflege und die richtige Auswahl bei dem Schuhwerk.

Dennoch verbleiben bei etwa 10-20% der Patienten Beschwerden, die nur durch operative Maßnahmen gebessert oder geheilt werden können. Die operative Versorgung des Fußes hat in den letzten Jahren erfreuliche Fortschritte und Vereinheitlichungen vorzuweisen. Sehr aufwendige und verstümmelnde Operationen gehören der Vergangenheit an. Heute erfolgen mikrochirurgische Maßnahmen und vermehrt Weichteileingriffe, ähnlich der Handchirurgie, um gelenk- und funktionserhaltende Ergebnisse zu erzielen.

Beim flexiblen Krallenzeh z.B. wird die früher fast ausschließlich vorgenommene Operation nach Hohmann, bei der ein ganzes Gelenk entfernt wird, zunehmend durch eine reine Sehnenverlegung, den Flexor digitorum longus Transfer, ersetzt. Außerdem sind Algorithmen entwickelt worden, um für jeden Patienten das geeignete Verfahren wählen zu können. Es ist leicht vorstellbar, dass eine 35-jährige Patientin mit einem Krallenzeh oder Hallux valgus ganz andere Ansprüche und Belastungen an ihren Fuß hat, als eine 55-jährige oder 70-jährige Patientin. Dennoch muss für jeden Patienten das geeignete Verfahren aus den insgesamt bis zu 130 verschiedenen beschriebenen Eingriffen gefunden werden. Ziel muss es dabei immer sein, die Funktion des Fußes soweit wie möglich zu erhalten und die Beschwerdefreiheit mit dem geringsten Aufwand zu erreichen.

Neben einer ausführlichen Untersuchung des Fußes und dem klassischen Röntgenbild gewinnen die modernen Methoden der Pedographie und Ganganalyse an Bedeutung. Dabei können mit Hilfe des Computers genaue Daten zur Druckverteilung unter dem Fuß und zum genauen Gangablauf gewonnen werden. Diese Informationen fließen wiederum in die Wahl des geeigneten operativen Verfahrens mit ein.

In dem Versuch möglichst mikrochirurgisch zu operieren, wird der Orthopäde durch die Weiter- und Fortentwicklung moderner Osteosynthesetechniken und Materialien unterstützt. Kleinere und haltbarere Schrauben und Implantate mit neuen Werkstoffen (z.B. Titan) lassen heute Verfahren zu, die noch vor einigen Jahren nicht möglich waren.

So kann z. B. bei der Operation nach Weil mit kleinen Hautschnitten und dünnsten Schrauben eine Umstellung des Mittelfußköpfchenknochens vorgenommen werden, die beim schmerzhaften durchgetreten Spreizfuß zu einer raschen Beschwerdelinderung führt.

Im Bereich des oberen Sprunggelenkes hat die Fortentwicklung der Implantate für ausgesuchte Fälle die Möglichkeit einer endoprothetischen Versorgung geschaffen. Hier liegen mittlerweile gute mittel- bis langfristige Ergebnisse vor.

Gleichzeitig ist die Möglichkeit von Knorpel-Knochen-Transplantationen am oberen Sprunggelenk weiterentwickelt worden, die bei umschriebenen Defekten des Knorpels, z. B. bei der Osteochondrosis dissecans (der „Gelenkmaus"), sehr gute Heilungserfolge verspricht.

Der Kinderfuß stellt ein weiteres sehr anspruchsvolles Gebiet des Fußorthopäden dar. Denn hierbei müssen vor allem die möglichen Entwicklungsschritte des Kinderfußes beachtet werden. Dennoch ist bei Kindern die Notwendigkeit eines operativen Eingriffs viel seltener gegeben und häufig sind sogar orthopädietechnische Maßnahmen entbehrlich. Hier spielt die Prophylaxe, die im Wesentlichen in der richtigen Schuhwahl oder noch besser in häufigem barfuß laufen besteht, eine wesentliche Rolle. Außerdem kann eine spielerische Fußgymnastik Haltungsschwächen vermeiden helfen. Operationen am Kinderfuß sind fast ausschließlich beim schweren angeborenen Klumpfuß und bei Kindern mit spastischen Deformitäten erforderlich. Auch hier haben aber neue Verfahren und Nachbehandlungsschemata die Therapie deutlich erleichtert und verbessert. So kann z. B. durch ein neu eingeführtes Medikament (Botulinumtoxin) der Operationserfolg bei Kindern mit Spastik simuliert werden und somit der Erfolg einer Operation im Vorfeld abgeschätzt werden. Bei manchen Kindern lässt sich gar die Operation durch diese Medikament vermeiden oder zumindest in ein höheres Alter verschieben.

Ein weiterer Fortschritt der Fußchirurgie besteht in der verbesserten Nachbehandlung. Spezielle Verbandsschuhe machen eine Nachbehandlung mit Gips nur noch selten erforderlich. Die Patienten können in den Spezialschuhen ohne Gehstücke laufen und sich im Haushalt und auf der Straße zurechtfinden. Dadurch kann der stationäre Aufenthalt im Krankenhaus deutlich verkürzt werden oder gar die Operation ambulant durchgeführt werden.

Die intensiven Bemühungen der Orthopädie, in den letzten Jahren den Fuß aus seinem Aschenputteldasein zu befreien und geeignete Behandlungsverfahren zu entwickeln, ist auf einem guten Weg. Auf die Fußchirurgie spezialisierte Ärzte versprechen das Schreckensbild vom postoperativen Klumpfuß aus den Köpfen der Patienten zu verbannen. Es sei noch einmal festgehalten, dass nur etwa 10-20% der Patienten mit Fußbeschwerden einer operativen Maßnahme bedürfen. Diesen aber kann mit den heutigen Operationen sicher und erfolgreich geholfen werden.

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